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Wie eine nachhaltige Lehre entsteht

Nachhaltige Entwicklung soll an der ZHAW gelehrt und gelebt werden, nicht nur im Studienplan stehen. Inwiefern das gelingt, hat eine hochschulweite Bestandesaufnahme erstmals erfasst. Aus den Ergebnissen ist ein konkretes Förderinstrument entstanden.

Sustainable Development Goals

4 Hochwertige Bildung 16 Frieden, Gerechtigkeit und Starke Institutionen 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Wer an der ZHAW studiert, soll mehr mitnehmen als reines Fachwissen. Als Fachhochschule will die ZHAW ihren Studierenden die Kompetenzen vermitteln, die sie benötigen, um in ihren jeweiligen Berufen zur Nachhaltigen Entwicklung unserer Wirtschaft und Gesellschaft beizutragen. Doch wie lässt sich das Curriculum so weiterentwickeln, ohne dass es von Grund auf neu formuliert werden muss? 

Den Anfang machte 2024 eine schriftliche Ersteinschätzung aller Bachelor- und Masterstudiengänge, erstellt aus öffentlich zugänglichen Quellen wie Modulbeschrieben und Studienplänen. Die Studiengangsleitungen haben anschliessend eine entsprechende Einschätzung abgegeben.  2025 vertieften vier Fokusgruppen an den drei Hauptstandorten und ein abschliessender Workshop das Bild. 

Ein ehrliches Bild als Basis

Das Ergebnis ist ein differenziertes Bild: Rund ein Drittel der untersuchten Studiengänge weist eine deutliche, nach aussen sichtbare Verankerung von Nachhaltigkeitskompetenzen auf: zum Beispiel durch explizite Pflichtmodule, interdisziplinäre Lehrformate oder eine entsprechende curriculare Ausrichtung. Beispiele finden sich in den Studiengängen Architektur, Soziale Arbeit, Umweltingenieurwesen, International Management oder Ergotherapie.

Bei weiteren Programmen ist Nachhaltigkeit zwar inhaltlich präsent, aber weniger explizit oder nicht durchgehend im Pflichtcurriculum sichtbar. Und rund die Hälfte der Studiengänge zeigt in der Aussendarstellung eine geringe kommunikative Sichtbarkeit von Nachhaltigkeitskompetenzen, die vermittelt werden.

Portrait of Ilja Kirianoff of ZHAW sustainable, responsible for sustainability in teaching and research

Ilja Kirianoff

Nachhaltigkeit in Lehre und Forschung Koordinator, ZHAW sustainable, Rektorat

«Die BNE-Bestandesaufnahme misst, ob Nachhaltigkeit sichtbar ausgewiesen ist, nicht wie vertieft sie gelehrt wird. Oft steckt mehr Nachhaltigkeit in Lehrveranstaltungen, als nach aussen erkennbar ist. Wichtiger als die Übersicht war uns der Dialog: In Fokusgruppen und im Workshop benannten die ZHAW-Lehrkräfte, woran es fehlt. Der ESD Fund greift einen dieser Bedarfe auf: Zeit für die Entwicklung neuer Formate.»

Sichtbarkeit ist nicht dasselbe wie Wirkung

Gerade diese Differenz ist eine zentrale Erkenntnis der Bestandesaufnahme: Was gemessen wurde, ist primär die kommunikative Sichtbarkeit, also ob Nachhaltigkeit explizit benannt und in Modulbeschreibungen oder Studienplanung ausgewiesen wird. Eine systematische Erhebung, wie tief, wirksam und kompetenzorientiert Nachhaltigkeit tatsächlich gelehrt wird, wurde angesichts der hohen Vielfalt an Disziplinen und Lehransätzen an der ZHAW nicht durchgeführt.

Das bedeutet: Die Bestandesaufnahme liefert keine endgültige Antwort darauf, wo die ZHAW «gut» oder «schlecht» aufgestellt ist, ermöglicht aber eine reflektierte Standortbestimmung

Zielgerichtete Förderung: Zeit, um Formate weiterzuentwickeln

Aus den Fokusgruppen und dem Workshop liessen sich konkrete Handlungsbedarfe ableiten. Dazu zählt die fachliche Befähigung der Dozierenden, eine gemeinsame Orientierung über Departementsgrenzen hinweg und eine niederschwellige Finanzierung. Bei Letzterem sahen die Beteiligten die grösste Hürde in Bezug auf die verfügbare Zeit, ein Lehrformat überhaupt erst zu konzipieren oder weiterzuentwicklen. Aus diesem Grund wurde der Education for Sustainable Development (ESD) Fund geschaffen. In Form einer Anschubfinanzierung fördert er die Entwicklung von Bildungsformate: zum Beispiel die Konzeption neuer, departementsübergreifender Module, an denen mindestens zwei Departemente beteiligt sind.

Portrait von Francesco Bortoluzzi, Leiter ZHAW sustainable

Francesco Bortoluzzi

Leitung Nachhaltigkeitsprogramme, ZHAW sustainable, ZHAW Rektorat

«Nachhaltigkeit lässt sich nicht von oben ins Curriculum verordnen, sie muss in den Fachkulturen wachsen. Darum sitzen im Gremium auch Partnerhochschulen: Wir stehen alle vor derselben Aufgabe und kommen weiter, wenn wir sie gemeinsam angehen, statt jede Schule für sich.»

Gemeinsam auf dem Weg nach BNE

Über die ESD Fund Anträge urteilt ein Gremium, das bewusst nicht nur ZHAW-intern besetzt ist: Neben ZHAW sustainable und dem Ressort Bildung beurteilen auch Fachleute der HES-SO, der PHZH und der BFH die Projekte. Die curriculare Verankerung von Nachhaltigkeit ist keine ZHAW-Eigenheit: viele Hochschulen stehen vor derselben Aufgabe und experimentieren mit ähnlichen Formaten. Der Blick von aussen erkennt eher, was trägt, und schützt davor, die eigenen Projekte zu wohlwollend zu bewerten. Den Anfang macht 2026 die erste Ausschreibung.

Bildung Rektorat Wädenswil Winterthur Zürich

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