Pflegebedürftige Eltern, der frischgeborene Sohn oder die zahlreichen Trainingseinheiten als Spitzensportlerin: Es gibt viele Gründe, weshalb ZHAW-Angehörige sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf oder Studium und Privatleben beschäftigen. Wie unterschiedlich diese aussehen können, zeigen drei verschiedene Perspektiven:
Konrad Rietmann
600'000 Menschen in der Schweiz pflegen Angehörige. Einer von ihnen ist Konrad Rietmann. Der 53-Jährige ist Dozent für Human Capital an der School of Management and Law und kümmert sich in seiner Freizeit um seine pflegebedürftigen Eltern. Obwohl beide professionell betreut werden, gibt es für Angehörige doch viel zu erledigen: Neue Batterien fürs Hörgerät, neue Schuhe oder Arzttermine führten dazu, dass Rietmann letztes Jahr zwei Ferienwochen für die Betreuung der Eltern aufgewendet hat.
Natürlich hätte er diese Tage lieber zur Erholung genutzt, dennoch hat Rietmann Verständnis für diese gesetzliche Regelung: «Ich bin auch Steuerzahler und verstehe völlig, dass man nicht für alles frei bekommen kann. Ich bin dankbar, dass die ZHAW mir die Flexibilität bietet, meine Arbeitszeit relativ frei einzuteilen, damit ich solche Termine überhaupt wahrnehmen kann.»
Konrad Rietmann
Dozent an der School of Management and Law
«Ich bin dankbar, dass die ZHAW mir die Flexibilität bietet, meine Arbeitszeit relativ frei einzuteilen.»
Leonie Wieland
Neben ihrem Hebammen-Studium gehört Leonie Wieland zum Kader der Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft. Die Goldgewinnerin der letztjährigen Weltmeisterschaft betreibt Spitzensport und studiert gleichzeitig. Alleine fürs Training investiert sie rund zwölf Stunden jede Woche, dazu kommen die Spiele mit dem Club am Wochenende. Wie geht das zusammen? Die Vereinbarkeit von Trainingsplan und regulärem Unterricht funktioniere bei ihr sehr gut. Eine grössere Herausforderung hingegen war die Organisation des Praktikumssemester:
«Ich konnte mein Praktikum ebenfalls in einem 80%-Pensum absolvieren– dafür natürlich über einen längeren Zeitraum. Ausserdem durfte ich es den Sommer hindurch machen anstatt wie üblich im Herbst. Da ist mir die ZHAW wirklich sehr entgegengekommen. Ich von meiner Seite habe wiederum einen Teil meiner Semesterferien dafür hergegeben. Das ist meiner Meinung nach der Weg zur erfolgreichen Vereinbarkeit: Es braucht von beiden Seiten Kompromisse.»
Leonie Wieland
Bachelorstudentin Hebamme
«Das ist meiner Meinung nach der Weg zur erfolgreichen Vereinbarkeit: Es braucht von beiden Seiten Kompromisse.»»
Regi Kolar
Als Teil der Stabstelle Diversity weiss Regi Kolar, was ZHAW-Angehörige rund um das Thema Vereinbarkeit beschäftigt. Während es den Studierenden Meistens um Schwangerschaft und Geburt geht, ist die Themenpalette bei Mitarbeitenden breiter. Manchmal sucht jemand Unterstützung, um mit der Chefin oder dem Chef über eine Pensumsreduktion zu sprechen. Oder eine Person ist die einzige mit Kindern innerhalb eines Teams und muss sich immer wieder rechtfertigen, weil sie zum Beispiel zu einer bestimmten Zeit gehen muss am Abend.
Als öffentlich-rechtliche Institution muss sich die ZHAW bei der Vereinbarkeit an der aktuellen Gesetzgebung orientieren. Bleibt das Thema deshalb auf der Strecke? «Klar kann sich die ZHAW noch verbessern. Verglichen mit anderen Hochschulen fallen wir jedoch nicht ab – im Gegenteil: Die ZHAW bietet zum Beispiel neben der finanziellen Krippenunterstützung ausserdem eine flexible, kurzfristig buchbare Kinderbetreuung für sämtliche Angehörige an. Zudem gibt es bei uns sogar eine psychosoziale Beratung zum Thema Vereinbarkeit. Insgesamt verstehen wir uns als vereinbarkeitsfreundliche Hochschule und das gilt nicht nur für Eltern.
Regi Kolar
Diversity Beauftragte Person Gender Equality, Vereinbarkeit, LGBTIQ+ und Beraterin Interne Vertrauensstelle, ZHAW Rektorat
«Wir verstehen uns als vereinbarkeitsfreundliche Hochschule und das gilt nicht nur für Eltern.»