Vom Bericht zum Gespräch
Im November 2023 erschien der erste Nachhaltigkeitsbericht der ZHAW. Daten zu Energie, Mobilität und Ressourcen wurden ergänzt durch Geschichten von Menschen, die hinter den Zahlen stehen und diese einbetten in den Hochschulbetrieb. Doch ein Bericht, der gelesen und weggelegt wird, verändert wenig. «Wir wollten wissen, was die Community daraus macht», sagt Emma Sonnier, die bei ZHAW sustainable das Nachhaltigkeits-Engagement verantwortet. Die Antwort hiess Re:Act: Eine Dialogreihe die zwischen März und Mai 2024 an den Standorten Winterthur, Zürich und Wädenswil stattfand.
Kein Podium, sondern ein Mikrokosmos
Das Format entwickelte ZHAW sustainable mit der NGO collaboratio helvetica, die als neutrale, hochschulexterne Moderation agierte. Methodische Grundlage war der systemische Dialog. Eine erste Standortbestimmung lieferte zum Beispiel ein «Human Mapping», bei dem sich die Teilnehmenden im Raum je nach Rolle, Dauer an der ZHAW oder der Frage, ob die Hochschule genug für die Nachhaltigkeit tue, positionierten.
Die Vertiefung in die verschiedenen Themen erfolgte dann in Gruppen. Schon bei der Anmeldung wählten die Teilnehmenden ihre Schwerpunkte. Bildung lag mit Abstand vorn, gefolgt von ermöglichenden Strukturen, Mobilität und Living Labs. Energie und Biodiversität landeten hinten. Die Botschaft war deutlich: Die grössten Hebel sieht die Community nicht im technischen Betrieb, sondern in Lernräumen und in der Frage, wie Nachhaltigkeit im Alltag verankert wird.
Teilnehmende
An drei Standorten sind aus acht Themencluster 19 konkrete Ideen entstanden
Vom Standpunkt zur Idee
Die Teilnehmenden gruppierten sich nach den gewählten Themen, diskutierten ihre Sicht auf den Status quo und entwickelten daraus konkrete Vorschläge. Beim abschliessenden «Pitch Fest» stellte jede Gruppe ihre Idee in drei Minuten vor. Danach wurde Feedback gegeben und über die überzeugendsten Konzepte abgestimmt.
Diese Konzepte waren die Basis für ZHAW sustainable, um zu verstehen, wo die Community den dringendsten Handlungsbedarf sieht und fliessen so direkt in die weitere Umsetzung der ZHAW-Nachhaltigkeitsstrategie ein.
Die Lücke im Raum
Doch eine Beobachtung zog sich durch alle vier Abende und war zum Teil unbequem. Von den 122 Teilnehmenden waren im Schnitt nur rund 9 Prozent Studierende. Ausgerechnet die Gruppe, um die es bei «Bildung» ging, blieb weitgehend fern. Bei manchen Mitarbeitenden, die sich gerade den Austausch mit Studierenden gewünscht hatten, sorgte das für Enttäuschung.
Die Gründe für das Fernbleiben sind aber keineswegs neu: Zeitmangel, die Flut an Veranstaltungen und Skepsis, ob solche Formate überhaupt etwas bewirken. Genau diese Skepsis nimmt ZHAW sustainable ernst, statt sie zu überspielen.
Emma Sonnier
Engagement Managerin, ZHAW sustainable, Rektorat
«Was Re:Act mir gezeigt hat, ist die Stärke der vielfältigen Perspektiven innerhalb der ZHAW-Angehörigen und wie sie zusammengebracht werden können, um wirkungsvolle Ideen für komplexe Themen zu entwickeln – selbst in kurzer Zeit!»
Was bleibt – und was wirklich kam
Aus den vier Abenden gingen 19 Ideen hervor: von Tools für nachhaltigere Reiseentscheidungen bis zu departementsübergreifenden Lehrmodulen.
Auch wenn nicht alle Ideen bis heute umgesetzt werden konnten, so lieferten einige wertvolle Anstösse. Das «Sustainable Impact Program» zum Beispiel richtete einen «Instant Impact Fund» ein – eine niedrigschwellige Förderlinie für Projekte unter 2'000 Franken, die in wenigen Wochen statt Monaten bewilligt werden können. Und auch das Living-Lab-Projekt «Farm to Table» konnte dank den Inputs aus Re:Act vom Toni-Areal in der Hochschulmensa von Wädenswil eine Fortsetzung finden. Der Wunsch nach bewussteren Reiseentscheidungen floss in den überarbeiteten Ansatz zur Reduktion der Flugemissionen und der Kampagne «Challenge Accepted» ein.