Wer den Campus Grüental in Wädenswil besucht, sieht seit dem Herbst 2025 eine ungewohnte Kombination: Reihen von Solarmodulen thronen über einer Gemüse- und Ackerfläche. Die Panels drehen sich leicht mit der Sonne mit. Die Anlage misst 2'000 Quadratmeter (40 auf 50 Meter), umfasst 216 Module und kommt auf eine Leistung von 151 kWp. Pro Jahr soll sie rund 225'000 kWh Strom liefern, etwa so viel wie 45 Einfamilienhäuser pro Jahre verbrauchen.
Agrivoltaik and dem Campus Grüental
Mareike Jäger
Projektleitung Agri-PV-Anlage, Leitung Forschungsgruppe Regenerative Landwirtschaftssysteme
«Mit diesem Projekt hier wollen wir exemplarisch aufzeigen, dass sowohl Nahrungsmittel als auch erneuerbare Energien auf ein und derselben Fläche produziert werden können.»
Zwei Nutzungen, eine Fläche
Agri-Photovoltaik verbindet Nahrungsmittelproduktion und Stromerzeugung auf derselben Fläche: zwei Ziele, die sich sonst eher in die Quere kommen. Gebaut hat die Trägerkonstruktion die französische Firma REM TEC. Als ausländische Generalunternehmerin musste sie sich zuerst mit den Schweizer Verhältnissen vertraut machen. Der Untergrund in Wädenswil ist steinig; verankert wurde die Anlage schliesslich mit drei bis fünf Meter langen Stahlschrauben.
Die Trägerkonstruktion verändert auch die Bewirtschaftung: Weil nicht mehr bis auf den letzten Zentimeter gepflügt werden kann, entsteht am Rand eine extensive Zone, die sich gezielt für die Biodiversität aufwerten liesse. Für die Landwirtschaft selbst ergibt sich eine zusätzliche Wertschöpfung auf derselben Fläche, und mit elektrisch betriebener Mechanisierung liesse sich der Betrieb zudem unabhängiger von fossilen Energieträgern machen.
Zehn Jahre bis zur Eröffnung
Die Idee reicht zurück in die Fachstelle Erneuerbare Energien der ZHAW, Institute für Umwelt und natürliche Ressourcen bei der School of Life Sciences and Facility Management, die sich schon vor zehn Jahren erste Gedanken dazu machte. 2020 folgte eine vom Bundesamt für Landwirtschaft finanzierte Studie, die zeigte, wo und unter welchen Bedingungen sich Agri-PV in der Schweiz überhaupt lohnt. Bis zur Baubewilligung im streng geschützten Landwirtschaftsgebiet und zur Wahl eines Generalunternehmers vergingen weitere Jahre.
Zur Eröffnung am 24. Oktober 2025 kamen Bildungsdirektorin Silvia Steiner, ZHAW-Rektorin Regula Jöhl sowie zahlreiche Gäste aus Landwirtschaft, Energiebranche, Forschung und Verwaltung. Mareike Jäger, Leiterin der Forschungsgruppe Regenerative Landwirtschaftssysteme, ordnete die Anlage in ihrem Referat als Pionierprojekt ein: Bislang gebe es in der Schweiz keine Agri-PV-Anlage über Feldkulturen, dabei zeige eine ZHAW-Studie aus dem Jahr 2024 gerade dort das grösste Potenzial.
Was die Anlage zeigen soll
Ob sich Ertrag, Wasserverbrauch und Stromproduktion tatsächlich vereinbaren lassen, ist die eigentliche Forschungsfrage. Erste internationale Studien deuten darauf hin, dass PV-Module unter trockenen Bedingungen den Ertrag von Unterkulturen sogar steigern und gleichzeitig den Wasserverbrauch senken können.