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In Winterthur-Grüze steht der erste Hochbau aus Carbonbeton

Seit Mai 2024 steht in Winterthur-Grüze ein Besucherpavillon aus extradünnen Carbonbeton-Platten, die im Werk gefertigt, verschraubt statt gegossen und nach Nutzungsende wiederverwendet werden. Das Innovationslabor ist der erste Hochbau mit dieser an der ZHAW entwickelten Technologie.

Sustainable Development Goals

9 Industrie, Innovation und Infrastruktur 11 Nachhaltige Städte und gemeinden 12 Verantwortungsvoller Konsum und Produktion 13 Massnahmen zum Klimaschutz

Ein Kaffeehaus aus Beton, das sich in wenigen Tagen wieder auseinanderschrauben lässt: Das Innovationslabor Grüze steht seit Mai 2024 an der St. Gallerstrasse in Winterthur, gleich neben dem Bahnhof Grüze und der Kaffeerösterei Küng. Unter dem offenen Dach finden Ausstellungsraum, Bühne und ein kleines Bistro Platz.

Von zwei Jahrzehnten Forschung zum ersten Hochbau

Die Bauweise dahinter heisst CPC – Carbon Prestressed Concrete. Entwickelt wurde sie am Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der ZHAW, wo die Forschungsgruppe um Josef Kurath seit über zwanzig Jahren an vorgespanntem Carbonbeton ohne Stahlbewehrung arbeitet. Die Platten sind drei- bis viermal dünner als konventionelle Betonelemente, korrosionsfrei und werden im Werk nach digitalen Planungsdaten präzise gefräst und verschraubt. Rückbau und Wiederverwendung sind von Anfang an mitgedacht.

Video

Eröffnung des Innovationslabors Grüze in Winterthur

Drei Partner, ein Bauteil zur Miete

Möglich wurde das Gebäude durch eine Zusammenarbeit dreier Partner: Das Tiefbauamt Winterthur stellt das Grundstück, die ZHAW die Technologie und Holcim Schweiz die CPC-Elemente: Diese wurden im Sinne von «Product as a Service» vermietet. Nach dem Rückbau können die Platten aufbereitet und andernorts erneut eingesetzt werden.

Gegenüber konventionellem Stahlbeton spart das Gebäude so rund 75 % an CO₂ und Material, bei vollständigem Verzicht auf Stahl. Damit ist das Innovationslabor der erste Hochbau, der mit wiederverwendbaren Carbonbeton-Elementen entsteht – vorerst als zehnjähriges Provisorium.

Portrait von Josef Kurath, Gründer der CPC AG und Professor, ZHAW Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen

Josef Kurath

Gründer der CPC AG und Professor, ZHAW Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen

«Wir wollten eigentlich mit dem ersten Bauwerk, das wir im Hochbau machen, mit diesen Decken, zeigen, was man mit der CPC-Bauweise machen kann. Ein Objekt, das zeigt, was alles für Schwierigkeiten im Hochbau in einer Decke drin sein können.»
Nahaufnahme einer Steckverbindung zwischen zwei grauen Betonfertigteilwänden mit ineinandergreifenden, kreuzförmig versetzten Betonzapfen; im Hintergrund eine Bodenplatte aus Waschbeton mit sichtbarem Etikett.
Modulare Verbindung nach dem «Lego-Prinzip»: Die CPC-Elemente werden gesteckt statt vergossen, was Demontage und Wiederverwendung ermöglicht.
Baustelle, auf der ein Kran mit Zangengreifern eine graue Betonfertigteilwand anhebt; im Vordergrund liegen weitere Betonfertigteile, zwei Bauarbeiter in orangen Warnjacken stehen daneben, im Hintergrund ein Fabrikschornstein und Gebäude mit den Beschriftungen „Landolt" und „Keller".
Montage der werkseitig gefertigten CPC-Elemente auf der Baustelle: Die Bauteile werden verschraubt statt gegossen und lassen sich später wieder zurückbauen.
Luftaufnahme eines Rohbaus aus Sichtbeton mit auskragendem Dach auf einer schlanken Rundstütze, begrüntem Dach mit Pflanzbeeten und einem Gewächshaus aus Well-Polycarbonat darauf; an der Fassade der Schriftzug „Innovationslabor Winterthur" mit rundem Logo, umgeben von Bauzaun, Baumaterial und grünen Bäumen.
Das Innovationslabor Grüze in Winterthur: seit Mai 2024 realisiert aus dünnen, wiederverwendbaren Carbonbeton-Elementen der CPC-Bauweise.
Forschung & Transfer Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen Winterthur

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