Ein Kaffeehaus aus Beton, das sich in wenigen Tagen wieder auseinanderschrauben lässt: Das Innovationslabor Grüze steht seit Mai 2024 an der St. Gallerstrasse in Winterthur, gleich neben dem Bahnhof Grüze und der Kaffeerösterei Küng. Unter dem offenen Dach finden Ausstellungsraum, Bühne und ein kleines Bistro Platz.
Von zwei Jahrzehnten Forschung zum ersten Hochbau
Die Bauweise dahinter heisst CPC – Carbon Prestressed Concrete. Entwickelt wurde sie am Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der ZHAW, wo die Forschungsgruppe um Josef Kurath seit über zwanzig Jahren an vorgespanntem Carbonbeton ohne Stahlbewehrung arbeitet. Die Platten sind drei- bis viermal dünner als konventionelle Betonelemente, korrosionsfrei und werden im Werk nach digitalen Planungsdaten präzise gefräst und verschraubt. Rückbau und Wiederverwendung sind von Anfang an mitgedacht.
Eröffnung des Innovationslabors Grüze in Winterthur
Drei Partner, ein Bauteil zur Miete
Möglich wurde das Gebäude durch eine Zusammenarbeit dreier Partner: Das Tiefbauamt Winterthur stellt das Grundstück, die ZHAW die Technologie und Holcim Schweiz die CPC-Elemente: Diese wurden im Sinne von «Product as a Service» vermietet. Nach dem Rückbau können die Platten aufbereitet und andernorts erneut eingesetzt werden.
Gegenüber konventionellem Stahlbeton spart das Gebäude so rund 75 % an CO₂ und Material, bei vollständigem Verzicht auf Stahl. Damit ist das Innovationslabor der erste Hochbau, der mit wiederverwendbaren Carbonbeton-Elementen entsteht – vorerst als zehnjähriges Provisorium.
Josef Kurath
Gründer der CPC AG und Professor, ZHAW Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen
«Wir wollten eigentlich mit dem ersten Bauwerk, das wir im Hochbau machen, mit diesen Decken, zeigen, was man mit der CPC-Bauweise machen kann. Ein Objekt, das zeigt, was alles für Schwierigkeiten im Hochbau in einer Decke drin sein können.»