Zum Inhalt

Ein Masterstudiengang, der Ernährungssysteme neu denken lehrt

Seit 2022 bildet der ZHAW-Masterstudiengang Preneurship for Regenerative Food Systems (PREFS) in Wädenswil Menschen aus, die Ernährungssysteme aktiv verändern wollen – als Gründer:innen, Berater:innen oder Projektleiter:innen. Das Curriculum ist bewusst offen gehalten, die Kohorten sind klein.

Sustainable Development Goals

2 Kein Hunger 4 Hochwertige Bildung 12 Verantwortungsvoller Konsum und Produktion 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Wie bildet man Menschen aus, die ein Ernährungssystem verändern? An der ZHAW in Wädenswil versucht das seit 2022 der Masterstudiengang Preneurship for Regenerative Food Systems, kurz PREFS. Ausgebildet werden dort unter anderem Gründer:innen nachhaltiger Food-Initiativen, Berater:innen im öffentlichen Sektor und Projektleiter:innen internationaler Organisationen.

Konventionelle Ansätze in der Ernährungsbranche zielen meist auf Effizienz und Schadensminimierung: weniger Foodwaste, tiefere Emissionen, sparsamerer Ressourceneinsatz. PREFS stellt eine andere Grundfrage: nicht, wie ein System weniger schlecht wird, sondern wie es aktiv zur Erneuerung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Ressourcen beiträgt. Im Studiengang nennt man diesen Ansatz regenerativ.

Regenerativ bedeutet hier: Systeme, die sich laufend biologisch, sozial, wirtschaftlich selbst erneuern. Ressourcen werden aktiv wieder aufgebaut, das System passt sich Veränderungen an und erzeugt am Ende mehr Wert, als es verbraucht.

Video

Masterstudiengang PREFS

Potrait von Alban Muret, Geschäftsführer von Foodward

Alban Muret

Geschäftsführer bei Foodward

«Im PREFS-Studium habe ich gelernt, Systeme zu verstehen – und sie aktiv mitzugestalten. Heute leite ich eine Organisation, die Industrie, Forschung und Startups vernetzt sowie begleitet, um nachhaltige Innovationen im Food-System voranzutreiben.»

Wissen, Praxis, Wirkung

Der Nutzen des Studiengangs zeigt sich auf drei Ebenen. Fachlich vermittelt PREFS konkrete Kompetenzen – von Lebensmitteltechnologie über Geschäftsmodellentwicklung und Finanzierung bis zu Systemdenken und einem zunehmend wichtigen Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Praktisch verankert ist das im Agro Food Project, das sich über alle vier Semester zieht: Studierende arbeiten darin in interdisziplinären Teams an realen Herausforderungen aus Wirtschaft, Forschung und NGOs – zum Beispiel im Bereich Kreislaufwirtschaft oder Klimawandel –, gemeinsam mit Partnern wie Foodward, Soil to Soul oder der Swiss Food & Nutrition Valley.

Ein Drittel des Studiums frei gestaltet

Der Studiengang umfasst 90 ECTS-Punkte und dauert je nach Pensum vier bis acht Semester. Ungewöhnlich ist der hohe Anteil an frei wählbaren Inhalten: Rund ein Drittel der Credits gestalten die Studierenden selbst, über Wahlpflichtmodule aus fünf ZHAW-Departementen und frei definierte Individual Skills. Dazu kommen die Disruption Days, Blockwochen zu unerwarteten Zukunftsfragen.

Wie offen das Format gehandhabt wird, zeigt das Beispiel eines Studierenden, Fabiano De Gani, der seine Teilzeitstelle als Pizzaiolo in Zürich für sein Individual-Skills-Modul nutzte: Er entwickelte einen neuen Teigprozess für neapolitanische Pizza und führte ihn in der Pizzeria, von der Mehlauswahl bis zur Schulung des Teams, ein.

Klein bleibt Teil des Konzepts

Die Kohorten sind bewusst klein gehalten. Das schafft Nähe zwischen Studierenden, Dozierenden und Praxispartner:innen und bedeutet zugleich, dass PREFS bislang nur eine überschaubare Zahl an Fachleuten ausbildet, gemessen an dem, was eine Transformation des Ernährungssystems eigentlich bräuchte. Ob sich daraus mehr entwickeln liesse als ein Angebot für eine kleine Zielgruppe, ist eine Frage, die den Studiengang seit seiner Gründung begleitet, aber auch eine Frage, die von den Absolvent:innen des Studiengangs beantwortet wird, die die Lebensmittelbranche in der Schweiz und darüber hinaus zunehmend in Richtung Regeneration prägen.

Bildung Life Sciences und Facility Management Wädenswil

Weitere Inhalte