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Grün statt grau – ein Hörsaal wird zum Living Lab

Grauer Beton, kaltes Neonlicht, kaum Aufenthaltsqualität: So sah der Hörsaal am Toni-Areal im Herbst 2025 aus. Im interdisziplinären Living-Lab-Projekt «Beyond Grey Walls» bauten ihn drei ZHAW-Institute gemeinsam mit Studierenden und dem Facility Management zum «Green Classroom» um – und prüften mit Vorher-Nachher-Messungen wissenschaftlich, ob Grün im Hörsaal tatsächlich etwas bringt.

Sustainable Development Goals

3 Gesundheit und Wohlergehen 4 Hochwertige Bildung

Ein Vorlesungssaal am Toni-Areal im Herbst 2025: Wo bis vor Kurzem nackte Mauern, schwarze Tischplatten und kühles Neonlicht den Raum prägten, schaffen heute Hängepflanzen, Holzpaneele und ein in Pastelltönen gemaltes Bergpanorama eine einladendere Lernumgebung. Die schwarzen Tischplatten wurden mit einer hellen Eichenoptik foliert und weitere Elemente wie eine Wanduhr ergänzen das neue Raumkonzept. Aus dem funktionalen «Grey Classroom» wurde ein «Green Classroom» – als Forschungsexperiment mit Vorher-Nachher-Messungen und einer Kontrollgruppe.

Ob die neue Gestaltung tatsächlich einen Unterschied macht, war jedoch offen. Neben grosser Begeisterung äusserten einzelne Studierende auch Zweifel: «Das bringt doch nichts, die paar Pflänzchen.» Das Projektteam unter der Leitung von Cathérine Hartmann, Dozentin und Co-Leiterin der Fachgruppe Umwelt- und Nachhaltigkeitspsychologie bei der ZHAW Angewandte Psychologie, untersuchte deshalb systematisch, wie sich die Veränderung auf die Studierenden auswirkt. Mithilfe von Fragebögen und kognitiven Tests wurden Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit vor und nach der Renovation erhoben.

Portrait von Cathérine Hartmann, Umweltpsychologin

Cathérine Hartmann

Dozentin und Co-Leiterin Fachgruppe Umwelt- und Nachhaltigkeitspsychologie, ZHAW Angewandte Psychologie

«Uns interessiert in diesem Projekt herauszufinden, welche Auswirkungen ein biophil gestalteter Klassenraum, also ein Green Classroom hat, im Vergleich zu einem konventionellen Klassenraum und wie das Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit der Studierenden hat.»

Drei Institute, ein Ziel

Am Projekt beteiligt sind gleich drei ZHAW-Institute: Neben dem Institut für Mensch, Gesellschaft und Technologien (IMGT), das die Projektleitung hat, bringen sich das Institut für Angewandte Psychologie (IAP) und das Institut für Facility Management (IFM) ein. Vor Ort am Toni-Areal ist zudem das Team des Facility Managements massgeblich beteiligt. Für Hartmann zeigt das Projekt, wie wertvoll interdisziplinäre Zusammenarbeit ist: Erst das Zusammenspiel unterschiedlicher Nutzendengruppen, Institute und betrieblicher Einheiten habe eine rasche Umsetzung und einen echten Praxistest ermöglicht.

Vom Prototyp zum Raum

Sieben Psychologiestudierende, ein Studierender der ZHdK und eine Praktikantin der Architekturpsychologie entwickelten in einem Co-Design-Workshop vier Raumkonzepte, die das Team später zu einem einzigen Konzept verdichtete. Ihre Wunschliste reichte von Bepflanzung und Farben über natürliche Materialien bis zu erhöhten Sitzreihen. Ein anschliessender Realitätscheck sorgte dafür, dass alle Ideen mit Sicherheitsvorgaben vereinbar blieben – Pflanzen etwa durften nicht in Fluchtwegen stehen – und der laufende Lehrbetrieb nicht gefährdet wurde.

Weil der Vorlesungsbetrieb in den Räumen nicht gestört werden durfte, musste der Umbau an einem einzigen Wochenende Ende Oktober stattfinden. Und um externe Malerkosten zu sparen, packte das Projektteam gleich selbst zum Pinsel. Unterstützt wurde der Umbau vom Facility Management am Toni Areal, von den Hängepflanzenexperten «Pendularis» und einer externen Firma, die für die Folierung der Tische verantwortlich war. Dadurch wurde das Projekt noch mehr zu einem ko-kreativen Living Lab. Finanzielle Unterstützung konnte so durch eine Förderung aus dem «Living Lab Fund» von ZHAW sustainable ermöglicht werden.

Video

Beyond Grey Walls

Was die Messungen zeigen

Zwei Monate lang besuchte eine Bachelorklasse Psychologie den «Green Classroom», eine vergleichbare Klasse blieb im herkömmlichen Hörsaal. Das Ergebnis: In der grün gestalteten Umgebung stiegen positive Gefühle und Aufmerksamkeit spürbar, ebenso die wahrgenommene Raumqualität. Im «Grey Classroom» veränderte sich nichts. Die paar Pflänzchen, so viel steht fest, haben tatsächlich etwas gebracht.

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