Eine Stufe von drei Zentimetern kann für einen Rollstuhl zur Wand werden. Genau das erfahren Studierende im zweiten Studienjahr Bachelor Architektur im Selbstversuch.
Der Sensibilisierungskurs zum hindernisfreien Bauen gehört seit 2021 fest zum Curriculum des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen. Geleitet wird das Modul Interdisziplinarität 1 von Hartmut Göhler, in Zusammenarbeit mit der Schweizer Fachstelle für Hindernisfreie Architektur Zürich.
Vom Normtext zur Körpererfahrung
Was in der Norm SIA 500 als technische Anforderung steht (Türbreiten, Rampenneigungen, Kontraste), wird im Parcours zur unmittelbaren Erfahrung. In der Halle 180 und auf dem Lagerplatzareal in Winterthur fahren die Studierenden im Rollstuhl über Pflastersteine, navigieren mit einer Sehbehinderungssimulation durch den Raum und ertasten Treppen.
Das Konzept «Design for All» wird so vom Planungsprinzip auf Papier zum spürbaren Massstab: Umgebungen von Anfang an für möglichst viele Menschen nutzbar zu gestalten.
Organisiert wird der Parcours von Valérie Ginier, den fachlichen Input zu SIA 500 liefert Joseph Schmid. An den Übungen sind auch Menschen mit Behinderungen als Expert:innen ihres eigenen Alltags beteiligt – der Kurs simuliert Barrieren nicht nur, er lernt auch von jenen, die täglich mit ihnen leben. Die Fotodokumentation entstand in Zusammenarbeit mit Pro Infirmis.