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Barrierefreiheit am eigenen Leib erfahren

Seit 2021 gehört ein Selbsterfahrungsparcours zum Pflichtprogramm für Architekturstudierende im zweiten Studienjahr. Wer im Rollstuhl über Pflastersteine gefahren ist oder mit Sehbehinderungssimulation eine Treppe ertastet hat, liest eine Bauordnung danach anders. Aus einer Norm wird eine Erfahrung – und aus der Erfahrung ein Massstab fürs Planen.

Sustainable Development Goals

4 Hochwertige Bildung 10 Weniger Ungleichheiten 11 Nachhaltige Städte und gemeinden

Eine Stufe von drei Zentimetern kann für einen Rollstuhl zur Wand werden. Genau das erfahren Studierende im zweiten Studienjahr Bachelor Architektur im Selbstversuch.

Der Sensibilisierungskurs zum hindernisfreien Bauen gehört seit 2021 fest zum Curriculum des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen. Geleitet wird das Modul Interdisziplinarität 1 von Hartmut Göhler, in Zusammenarbeit mit der Schweizer Fachstelle für Hindernisfreie Architektur Zürich.

Ein junger Mann setzt sich eine Simulationsbrille für Sehbehinderung auf und hält einen weissen Langstock, umgeben von weiteren Studierenden mit ähnlichen Brillen.
Die Erfahrung, sich ohne Augenlicht in einem Gebäude zu bewegen, schafft Bewusstsein für Hindernisse. (Bild: © Sandro Imhasly / Pro Infirmis)
Gruppe von Studierenden mit weissen Langstöcken steht im Kreis in einer Halle und hört einer Referentin zu, die eine Übung zur Selbsterfahrung von Sehbehinderung erklärt.
Das Sensibilisierungsprogramm ist eine Pflichtveranstaltung für alle Architektur-Studierenden im zweiten Studienjahr. (Bild: © Sandro Imhasly / Pro Infirmis)
Mehrere Personen in Rollstühlen und ein Mann mit Blindenführhund diskutieren in einem Werkraum, umgeben von selbstgebauten Möbeln aus Karton, PET-Flaschen und Zeitungspapier.
Matyas Sagi-Kiss von der Schweizer Fachstelle für hindernisfreie Architektur führt Architektur-Studierende an die Herausforderungen im Rollstuhl heran. (Bild: © Sandro Imhasly / Pro Infirmis)
Eine Person im Rollstuhl versucht, durch eine schmale Tür mit der Aufschrift 'Hallen Safari' zu fahren, während zwei weitere Personen zuschauen.
Einfache Handlungen können im Rollstuhl zu kräftezehrenden Hürden werden. (Bild: © Sandro Imhasly / Pro Infirmis)
Mehrere Personen in Rollstühlen fahren zusammen mit Begleitpersonen an einer Backsteinfassade mit grossen Fenstern entlang, hinter denen Architekturmodelle zu sehen sind.
Hindernisfrei soll sowohl im Gebäude als auch rund um das Gebäude gelten. (Bild: © Sandro Imhasly / Pro Infirmis)
Gruppe von Personen in Rollstühlen und zu Fuss bewegt sich über einen überdachten Gehweg im Freien zwischen Gebäuden.
Ist die Rampe breit genug für zwei Rollstühle gleichzeitig? Architektur-Studierende auf dem Sensibilisierungsrundgang im Rahmen des Perspektivenwechsels Mobilitätsbehinderung. (Bild: © Sandro Imhasly / Pro Infirmis)
Ein junger Mann mit Simulationsbrille und weissem Langstock wird von einem Begleiter am Arm durch eine Halle mit rotem Boden geführt; im Hintergrund weitere Personen mit Langstöcken.
Welche Bodeneigenschaften und -formen helfen bei einer Sehbehinderung, sich in einem Gebäude zurechtzufinden? (Bild: © Sandro Imhasly / Pro Infirmis)

Vom Normtext zur Körpererfahrung

Was in der Norm SIA 500 als technische Anforderung steht (Türbreiten, Rampenneigungen, Kontraste), wird im Parcours zur unmittelbaren Erfahrung. In der Halle 180 und auf dem Lagerplatzareal in Winterthur fahren die Studierenden im Rollstuhl über Pflastersteine, navigieren mit einer Sehbehinderungssimulation durch den Raum und ertasten Treppen.

Das Konzept «Design for All» wird so vom Planungsprinzip auf Papier zum spürbaren Massstab: Umgebungen von Anfang an für möglichst viele Menschen nutzbar zu gestalten.

Organisiert wird der Parcours von Valérie Ginier, den fachlichen Input zu SIA 500 liefert Joseph Schmid. An den Übungen sind auch Menschen mit Behinderungen als Expert:innen ihres eigenen Alltags beteiligt – der Kurs simuliert Barrieren nicht nur, er lernt auch von jenen, die täglich mit ihnen leben. Die Fotodokumentation entstand in Zusammenarbeit mit Pro Infirmis.

Bildung Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen Wädenswil

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