Wo früher in Neu-Oerlikon Kupfer verarbeitet wurde, treffen sich seit Anfang 2025 Nachbarinnen und Nachbarn zum Kleidertausch, zu Pingpong-Anlässen oder zum gemeinsamen Umbauen. Das Labör, ein ehemaliger Industrieschuppen mit Kupferschmiede und Lagerraum, ist Begegnungsort und Experimentierraum zugleich – für Nachhaltigkeit, Kultur und Gemeinschaft in einem. Fertig ist hier bewusst nichts: Der Raum entsteht gemeinsam mit den Menschen, die ihn nutzen.
Labör – Treffpunkt und Experimentierraum
Corinne Widmer
Mitinitiantin Labör
«Das Labör ist ein Treffpunkt, aber auch ein Experimentierraum zu den Themen Nachhaltigkeit, Kultur und Gemeinschaft. Wir wollen nachhaltige Lebensweisen fördern.»
Von der Zwischennutzung zum Verein
Die Idee kam aus dem Quartier selbst. Fünf Personen, die sich bereits kannten, sahen 2023 die Ausschreibung für eine sechsjährige Zwischennutzung auf dem MFO-Areal. Sie gründeten einen Verein und bewarben sich mit Erfolg.
Mit dabei: Corinne Widmer, die kurz zuvor den CAS Partizipative Stadt- und Gemeindeentwicklung an der ZHAW abgeschlossen hatte. Das Projekt sei kurz danach auf sie zugekommen, erzählt sie im Video zum Hochschultag 2025.
Bauen mit dem, was da ist
Der Umbau ist selbst Programm: Materialien stammen aus Abbruchhäusern, die Dämmung besteht aus Hanffasern und Lehm. Zugemauerte Öffnungen wurden freigelegt, damit mehr Licht in den Raum kommt, andere Teile gedämmt, damit es im Winter warm bleibt. Noch während der Bauphase fanden rund 15 Anlässe statt, mehrere davon mit über 40 Teilnehmenden.
Was hat die ZHAW damit zu tun?
Die ZHAW leistete einen doppelten Beitrag. Die Methoden der Sozialraumanalyse und der partizipativen Planung, die Widmer im CAS gelernt hat, wendet sie im Labör täglich an. Und das Social Entrepreneurship Labor der ZHAW Soziale Arbeit begleitete die Förderanfrage bei der Stiftung Soziale Arbeit Zürich. Das Sozialdepartement der Stadt Zürich sprach danach eine dreijährige Pilotförderung.
Drei Jahre Zeit, keine Garantie
Die Förderung ist auf drei Jahre befristet. Das ist die Natur eines Pilotprojekts: Zeit zum Testen – welche Formate ankommen, welche Kooperationen tragen, welches Geschäftsmodell sich überhaupt rechnet. Was danach kommt, weiss heute niemand im Team. Diese Unsicherheit ist Teil des Ansatzes: Ein Reallabor lebt davon, Dinge auszuprobieren, bevor die Antworten feststehen.