Zum Inhalt

Lade-Innovationen zur Elektrifizierung der Schweizer Logistikflotten

Das Hochfahren der Elektrifizierung von Logistikflotten könnte einen grossen Beitrag zur Emissionsreduktion im Strassenverkehr leisten. Doch ohne durchdachte und breit verfügbare Ladeinfrastruktur bleibt das Potenzial ungenutzt. Ein wichtiger Teil der Lösung liegt darum in klug geplanten, kooperativen und autonomen Ladeszenarien für den Schwerverkehr.

Sustainable Development Goals

9 Industrie, Innovation und Infrastruktur 11 Nachhaltige Städte und gemeinden 13 Massnahmen zum Klimaschutz 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Während Elektroautos heute längst im Alltag angekommen sind, hinkt die Elektrifizierung bei den Logistikflotten hinterher: So fahren aktuell nur 1.5% der Schweizer LKWs elektrisch. Zu teuer in der Anschaffung und Prozessumstellung, zu geringe Reichweite und kaum öffentliche Ladepunkte sind dabei Argumente, die aus der Logistik oft zu hören sind. Damit zumindest Letzteres den Markthochlauf von elektrischen Last- und Lieferwagen nicht mehr so stark einschränkt, haben Loris Baldissera und Flurin Rindlisbacher verschiedene Szenarien für eine zukunftsfähige Ladeinfrastruktur analysiert.

Portrait von Loris Baldissera

Loris Baldissera

«Es ist machbar. Unsere Arbeit zeigt: Mit Kooperation und wegweisenden Entscheidungen kann die Elektrifizierung der Logistikflotten Realität werden.»

Drei Szenarien, ein Ziel

Im Zentrum der Untersuchung stehen drei Szenarien: «Die Ladung im eigenen Depot, ein Modell mit kollaborativen Ladestationen am öffentlichen Netz und ein visionäres Konzept mit weitgehend energieautarken Ladestandorten und geteiltem Zugang zur Ladeinfrastruktur.» Bereits das Basisszenario zeigt, dass viele Filialen einer ausgewählten Logistikfirma vom Zentrallager aus gut mit den neusten Elektro-LKWs erreicht werden können – aber nicht alle. Rindlisbacher meint: «Unterwegs aufladen ist die Lösung.» Im kollaborativen Szenario werden darum Verkehrsknotenpunkte analysiert, die sich für die strategische Platzierung von Mega-Chargern eignen. Mit diesen ginge das Laden rasch vonstatten, die Lieferwege könnten erweitert und die Investitionen auf mehrere Firmen verteilt werden. Allerdings bestünde ein Risiko von Netzüberlastungen.

Deshalb geht das Szenario autonomer Energiesysteme noch einen Schritt weiter. Hier werden Photovoltaik-Anlagen an verschiedenen Standorten mit angehängten Batteriespeichern kombiniert, die Sonnenenergie speichern und die Flotten netzunabhängig aufladen. «Die Simulationen zeigen, dass solche Lösungen trotz hoher Initialkosten nach etwa neun Jahren wirtschaftlich rentabel sind und Netzüberlastungen vermeiden», erklärt Baldissera.

Portrait von Maike Scherrer, Schwerpunktleiterin nachhaltiges Supply Chain Management und Mobilität

Maike Scherrer

Schwerpunktleiterin nachhaltiges Supply Chain Management und Mobilität

«Aktuell sind lediglich 1.5% der Schweizer Logistikflotten elektrifiziert. Um die Netto Null Ziele zu unterstützen, muss die Elektrifizierung der Logistikflotten schnell vorangetrieben werden.»

Perspektiven und Forderungen

Um die Elektrifizierung der Logistikflotten voranzutreiben, braucht es neben technologischen Innovationen aber auch klare politische Signale. Deshalb fordern die Studierenden, dass der Bund gezielte Investitionsanreize schafft, regulatorische Hürden abbaut und kooperative Infrastrukturen unterstützt. Denn der Klimanutzen ist erheblich: So verursachen LKWs und Lieferwagen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 3,4 Millionen Tonnen CO₂ – was rund einem Zehntel der Schweizer Gesamtemissionen entspricht.

Interaktive Schweizer Karte mit Liefer- oder Transportrouten  nach Wochentag (Montag bis Sonntag), dargestellt in  verschiedenen Farben: blau (MAN), gelb (Mercedes),  orange (Volvo), grün (Iveco), rot (Designwerk), lila (Scania).  Marker kennzeichnen den Ausgangspunkt (rot), Filialen (blau)  und Ladestationen (lila). Die Routen decken die Deutschschweiz  und Westschweiz ab.
Reichweite moderner E-LKWs ab Zentrallager und zurück.
Interaktive Schweizer Karte mit farbigen Flächenüberlagerungen, die die Fahrzeugreichweiten verschiedener Lastwagenhersteller ab einem gemeinsamen Ausgangspunkt (roter Marker) visualisieren: Designwerk (rot), Iveco (grün), MAN (blau), Mercedes (gelb), Scania (lila), Volvo (orange). Die Flächen zeigen, welche Regionen der Schweiz mit dem jeweiligen Fahrzeug erreichbar sind. Filialen sind als blaue Marker eingezeichnet.
Gesamtschweizerische Filialabdeckung durch ein Ladestationen-Netzwerk
Forschung & Transfer School of Engineering Winterthur

Weitere Inhalte