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Autorin: Andrea Söldi

Gemeinsam gärtnern und voneinander lernen

Das neue Modul «Lebensraum Garten» soll Studierende verschiedener Departemente und ältere Menschen zusammenbringen. In der Natur entdecken sie Pflanzen wie Pilze oder Brennnesseln.

Sustainable Development Goals

3 Gesundheit und Wohlergehen 4 Hochwertige Bildung 10 Weniger Ungleichheiten 15 Leben an Land

Blumen pflanzen, Erde umgraben oder Schmetterlinge beobachten – der Aufenthalt im Freien hat eine gesundheitsfördernde Wirkung. Während Studierende des Bereichs Life Sciences bereits regelmässig mit der grosszügigen Gartenanlage auf dem Campus Grüental in Wädenswil in Kontakt kommen, haben angehende Gesundheitsfachpersonen an ihrem Winterthurer Standort keine entsprechende Möglichkeit. Dies will das geplante Lernmodul «Lebensraum Garten» ändern.

Studierende verschiedener Departemente sowie ältere Menschen sollen gemeinsam Erfahrungen im Garten machen, Neues lernen und in einen Austausch treten. Grundlage ist das ganzheitliche Konzept Planetary Health, das Gesundheit nicht auf die körperliche Ebene reduziert, sondern die soziale, mentale und ökologische Dimension einschliesst.

Die Studierenden sowie die Seniorinnen und Senioren werden Kleingruppen bilden und sich für eine Projektarbeit auf ein spezifisches Thema wie etwa Brennnesseln oder Pilze einigen. „Die Teams werden sich mit verschiedenen Aspekten rund um eine gewählte Pflanze befassen, zum Beispiel mit der Funktion für das Ökosystem, dem Wachsenlassen, Ernten oder Weiterverarbeiten“, erklärt Andrea Glässel vom Institut für Public Health, die das Angebot zusammen mit Dorit van Meel vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen und einem Projektteam entwickelt hat. Danach gelte es, die Ergebnisse interaktiv zu präsentieren. Parallel zu den Gruppenarbeiten würden Themen wie Ökologie, Biodiversität und Nachhaltigkeit im Rahmen von Online-Lerneinheiten weiter vertieft und die Teilnehmenden zum Reflektieren angeregt.

 

Gemüse- und Blumengarten mit orangen Zinnien im Vordergrund, Bio-Rüebli-Beeten, einer Sitzgruppe unter einem grünen Rankgerüst und einem rotbraunen Gebäude im Hintergrund."
Die Praxistage fanden in den Gärten vom Campus Grüntal in Wädenswil statt.
Drei Klappstühle und ein runder Tisch auf einem Kiesplatz vor Gemüsebeeten mit buntem Mangold, Salaten und Kräutern; im Hintergrund eine hohe Hecke.
Neben der eigentlichen Gartenarbeit ist der soziale Austausch ein integraler Bestandteil dieses Moduls.
Draufsicht auf einen frisch geschnittenen Blumenstrauss aus Wildblumen und Gräsern neben einer Gartenschere und einem Paar erdverschmutzter Handschuhe auf hellblauem Untergrund.
Erde und Pflanzen berühren macht nachweislich glücklich.

Future Skills fördern

Das Modul zielt darauf ab, dass angehende Gesundheitsfachpersonen das erworbene Wissen später in ihrem Beruf anwenden. Zum Beispiel könnten Physiotherapeutinnen ihre Patienten motivieren, mehr nach draussen zu gehen, oder Pflegefachpersonen in einem Alters- oder Rehabilitationszentrum mit den Patientinnen den Garten besuchen, erklärt Glässel. «Bewegung im Grünen reguliert Stress, verbessert die Stimmung und die kognitiven Funktionen.» Mindestens so wichtig sei aber die persönliche Erfahrung, betont die Professorin. Im Zentrum der Lehrveranstaltung stehe weniger der reine Output, sondern die Förderung von sogenannten Future Skills wie etwa systemisches Denken und Kooperation.

Die angehenden Umweltingenieurinnen und –ingenieure seien wohl meist schon vertrauter mit Natur- und Umweltthemen als die Studierenden der Gesundheitsberufe, sagt Dorit van Meel. Dennoch könnten auch sie viel vom neuen Modul profitieren: «Im Austausch mit Menschen aus anderen Disziplinen sollen sie eine gemeinsame Sprache finden und lernen, ihr Knowhow verständlich zu vermitteln.» Das sei hilfreich, wenn sie später vielleicht mit Nonprofitorganisationen oder Vereinen arbeiten würden, erklärt van Meel. «Biodiversität hat immer auch mit Menschen zu tun.»

Brücken zwischen Generationen bauen

Bei der Entwicklung des Moduls flossen auch Antworten aus Interviews mit Studierenden und älteren Menschen ein, die Simone Höller im Rahmen ihrer Masterarbeit geführt hat. Im Präsentationsfilm sagt etwa eine Ergotherapie-Studentin, die am Pilotprojekt teilgenommen hat: «Ich sehe es als mega grosse Bereicherung, um miteinander und mit der Natur in Kontakt zu treten.» Ein Student freut sich darauf, ein physisches Projekt gemeinsam umzusetzen – ganz egal, ob es gelinge oder nicht. Derweil sieht ein Senior das Angebot als Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen. „Das würde vermutlich auch Brücken zwischen den Generationen bauen.»

Für den Aufenthalt auf dem Campus Grüental sind zwei Praxistage vorgesehen. Weiterer Zeitaufwand fällt für die Vertiefung an. Das Wahlpflichtmodul soll mit einem ECTS-Punkt honoriert werden. Pro Durchlauf werden rund 15 Studierende und etwa 5 ältere Menschen teilnehmen können. Bei letzteren handelt es sich zumeist um Personen im Ruhestand, die sich im Umfeld der öffentlichen Gartenanlage in Wädenswil bewegen und sich zur Verfügung stellen, ihr Erfahrungswissen einfliessen zu lassen. Bis die Veranstaltung «Lebensraum Garten» zum ersten Mal durchgeführt werden kann, braucht es jedoch weitere finanzielle Mittel.

Nach dem Start mit den Studierenden des Gesundheits- und Umweltingenieurbereichs könne man sich vorstellen, das Modul auszubauen und auch für andere Departemente zu öffnen, stellt Dorit van Meel in Aussicht. «Nachhaltigkeit und die gesundheitsfördernden Effekte der Natur sollten zu einem dauerhaften Teil weiterer Studiengänge werden“, findet die Biologin und Dozentin. „Eine unserer Visionen ist ein Campusgarten in Winterthur, in dem sich Generationen begegnen, voneinander lernen und sich miteinander von der Natur inspirieren lassen.»

Bildung Forschung & Transfer Gesundheit Life Sciences und Facility Management Wädenswil

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