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Autorin: Marion Ronca

Mit Blockchain, AI und Big Data nachhaltige Finanzlösungen entwickeln

Finanzentscheidungen haben einen grossen Einfluss auf die Zukunft. Wie können sie nachhaltig sein und welche Rolle spielen dabei neue digitale Technologien? Die ZHAW forscht mit Projektpartner:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an Lösungen für eine «Sustainable Digital Finance».

Sustainable Development Goals

8 Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum 9 Industrie, Innovation und Infrastruktur 10 Weniger Ungleichheiten 13 Massnahmen zum Klimaschutz 17 Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Die Schweizerische Nationalbank sah sich die letzten Jahre immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, ihr Geld in klimaschädlich Fonds zu investieren. Gegenstimmen argumentieren, dass es nicht Sache einer Zentralbank sein, Klimapolitik zu betreiben. Sie solle sich auf ihr Kerngeschäft, Preis- und Finanzstabilität, konzentrieren. Fakt ist, dass seit der Annahme des Klima- und Innovationsgesetz 2024 private Unternehmen wie staatliche Organisationen verpflichtet sind, am Ziel der Klimaneutralität bis 2025 mitzuwirken. 

Beim Streit um die klimapolitische Rolle der Schweizerischen Nationalbank wurde zunächst übersehen, dass auch Preis- und Finanzstabilität nicht ohne Überlegungen zur Nachhaltigkeit zu leisten ist. So treibt Extremwetter Preise in die Höhe. Neue Gesetze, die die Umstellung von Produktionsweisen fordern, haben sogenannte Transitionskosten zur Folge. Und «Umweltsünden» können den Ruf eines Unternehmens dauerhaft schädigen. 

Nachhaltigkeit betrifft heute jeden, auch die Finanzbranche. Das im Frühling 2025 lancierte Projekt «Sustainable Digital Finance» der Zürcher Digitalisierungsinitiative (DIZH) setzt genau an diesem Punkt an. Sie möchte einen Rahmen schaffen, um digitale Finanzlösungen zu entwickeln, die alle Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Im Zentrum stehen also sowohl die ökologischen, sozialen als auch die wirtschaftlichen Herausforderungen bei der Finanzierung einer lebenswerten Zukunft für alle.

Portrait von Niccole Jordan, Dozentin für Corporate Performance und Sustainable Financing

Niccole Jordan

Dozentin für Corporate Performance und Sustainable Financing

«Ziel einer ‹Sustainable Digital Finance› ist es, den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich ein Bild von der Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen zu machen.»

Wissenschaft, Wirtschaft und Politik im Dialog

«Sustainable Digital Finance» ist eine sogenannte DIZH-Struktur. Sie entstand im Rahmen der DIZH zur Förderung der Zusammenarbeit im Digitalisierungsbereich und Stärkung des Forschungs- und Wirtschaftsstandort Zürich. Am Projekt beteiligt sind neben den Projektinitiantinnen, die ZHAW und die Universität Zürich, Akteur:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik: der Verband Green Fintech Network, der Innovationhub Trust Square Ecosystem AG sowie Swiss Life und The Hashtag Group als Vertreterinnen der Finanzwirtschaft.

Beat Affolter, Professor für Corporate Finance mit Fokus auf Sustainability und Innovation entwickelte «Sustainable Digital Finance» zusammen mit Alexander Posth Professor an der ZHAW und Thomas Puschmann, der an der Universität Zürich das Swiss FinTech Innovation Lab leitet. «Wir kannten uns vom Green Fintech Network her und arbeiten an ähnlichen Fragestellungen zu einer nachhaltigen, innovationsgetriebenen Finanzwirtschaft. Als dann der Call DIZH kam, passte unsere Idee wie die Faust aufs Auge», erklärt Beat Affolter.

Drei Labs und viel Austausch

Die Lösungen für eine nachhaltige Finanzwirtschaft sollen möglichst praxisnah sein. Die Projektleitung, der auch die Ökonomin Niccole Jordan von der ZHAW angehört, hat die Arbeit in drei unterschiedliche Labs geplant. «In den Research Labs wollen wir die wissenschaftlichen Grundlagen legen. In den Ideation Labs erarbeiten wir innovative Konzepte, die wir dann zeitnah in den Policy- und Implementation Labs mit Blick auf die regulatorischen Rahmenbedingungen testen», so Jordan.

Die Arbeit mit den Praxispartnern ist 2025 mit einer Summerschool gestartet. «Wir haben gemeinsam mit unseren Partnern aus der Wirtschaft an Challenges gearbeitet. Wir nennen sie bewusst ‹Herausforderungen› und nicht ‹Probleme›, denn wir sind überzeugt, dass in konkreten Fragestellungen ein grosses Innovationspotenzial liegt», erklärt Jordan. Die Gruppe erzielte bereits einen Durchbruch: «Das Unternehmen Swiss Life Asset Management AG brachte eine Challenge mit. Eine Gruppe aus Studierenden konnten ihr mit einer Lösung, die vor Ort entwickelt wurde, weiterhelfen», freut sich Jordan. 

Als nächstes ist ein Matchmaking-Event zwischen Startups und Finanzunternehmen geplant. Diese Events sind für die Forschung wichtig, denn die Projektleiter können an diesen viel über die Bedürfnisse der Wirtschaft und über die neuen Ideen aus der FinTech-Branche lernen: «Diese Events erlauben uns, neue Lösungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und regulatorische Fragen gleichzeitig zu betrachten und aufeinander abzustimmen. Das sind sehr dynamische und innovative Momente», sagt Beat Affolter.

Portrait von Beat Affolter, Professor für Corporate Finance

Beat Affolter

Professor für Corporate Finance

«Diese Events erlauben uns, neue Lösungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und regulatorische Fragen gleichzeitig zu betrachten und aufeinander abzustimmen. Das sind sehr dynamische und innovative Momente.»

AI, Blockchain oder doch lieber Bigdata?

Der Einsatz von digitalen Technologien spielt bei der Entwicklung von neuen nachhaltigen Finanzlösungen eine kritische Rolle. Zum einen stellen neue Technologien wie AI, Blockchain oder Bigdata vielversprechende Lösungen in Aussicht, zum anderen aber bilden sie selbst eine Herausforderung auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft. Die Rechenleistung dieser Technologien ist nämlich sehr energie- und ressourcenintensiv. «Bei der Erarbeitung der Lösungen gilt es zum einen das konkrete Versprechen der Technologie vor Augen zu haben, zum anderen ihre Auswirkung auf die Nachhaltigkeit», erklärt Beat Affolter. 

«Ziel einer ‹Sustainable Digital Finance› ist es, den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich ein Bild von der Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen zu machen», erklärt Niccole Jordan. So sind gemäss der Ökonomin bestimmte Lösungen wie als ESG-Fonds deklarierte Geldanlagen nicht per se nachhaltig. Aber sie würden Transparenz schaffen, in Bezug auf das ökologische und soziale Handeln und die Unternehmensführung. Und genau darum geht es bei der Nachhaltigkeit: Uns bewusst zu werden, welche Zukunft wir mit unseren Entscheidungen von heute schaffen.

Forschung & Transfer School of Management and Law Winterthur

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