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Wer sich gut orientieren kann, fährt eher mit dem Velo

Eine simple Navigation wie mit einem U-Bahn-Plan – das soll Velofahrenden in Zürich künftig dabei helfen, sich einfacher durch die Stadt zu bewegen. Um das zu erreichen, entwickeln Alison Frick und Ralph Lütken mit VeloMetro einen neuen Liniennetzplan für das Fahrrad, der intuitiv ist und die Lust aufs Velofahren in der Stadt steigern soll.

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VeloMetro heisst das von den beiden ZHAW-Studierenden entwickelte Liniennetzkonzept, mit dem sich Velofahrende im Zürcher Fahrradverkehr künftig so intuitiv zurechtfinden sollen wie bei der Nutzung eines U-Bahn-Plans. Ziel ist es dabei, Alltagsfahrten per Velo intuitiver, planbarer und dadurch attraktiver zu gestalten – und zwar nicht nur für Routiniers, sondern gerade auch für weniger geübte Velofahrende.

Portrait von Alison Frick

Alison Frick

«Wenn Velofahrende sofort wissen, wo es langgeht, steigt ihr Sicherheitsgefühl – und damit auch der Spass beim Fahren.»

Orientierung im Veloverkehr neu gedacht

Der Grundgedanke dahinter: «Wer intuitiv weiss, wohin er fahren soll, fühlt sich sicherer – und steigt dann eher aufs Velo.» Um das zu erreichen, haben Alison Frick und Ralph Lütken einen schematischen Liniennetzplan entwickelt, der auf den geplanten Velovorzugsrouten der Stadt Zürich basiert. Das Netz besteht dabei aus 18 farblich kodierten Linien von «A» bis «T», die zentrale Verkehrsachsen durch die Stadt verbinden. Angelehnt an bekannte ÖV-Liniennetzpläne – etwa aus dem Londoner U-Bahn-System – setzt VeloMetro damit bewusst auf Wiedererkennbarkeit und Verständlichkeit.

Strassenkreuzung beim Hubertus in Zürich, überlagert mit  farbigen Linien einer Navigations- oder Routing-App:  Eine rote und eine blaue Route (Linien K05 und J03)  verlaufen über die Kreuzung. Eine grüne gestrichelte Linie  markiert eine weitere Wegführung. Im Hintergrund sind  Tramgeleise, ein Bus, Zebrastreifen und Stadtbebauung sichtbar.
Eine simple Navigation wie mit einem U-Bahn-Plan – das soll Velo fahrenden in Zürich künftig dabei helfen, sich einfacher durch die Stadt zu bewegen.

Zwei Optionen für die Wegweisung

Im Zentrum der Bachelorarbeit steht neben dem Plan selbst auch dessen Umsetzung im realen Stadtraum. Dafür wurden zwei Varianten ausgearbeitet: «Der erste Ansatz basiert auf farbigen Bodenmarkierungen, die eine durchgehende visuelle Führung entlang der Velolinien bieten, während der zweite Ansatz auf gut ersichtliche Wegweiser an Kreuzungen setzt.» Beide Lösungen wurden zudem im Rahmen von zehn Experteninterviews evaluiert.

Dabei zeigte sich gemäss Lütken: «Obwohl die Bodenmarkierungen besonders intuitiv sind, scheint ihre Umsetzung aus planerischen Gründen in Zürich aktuell wenig realistisch zu sein.» Deshalb sprechen sich viele Fachleute dafür aus, vorerst auf eine Beschilderung zu setzen, die mit der bestehenden Schweiz-Mobil-Wegweisung kombiniert werden kann. Dennoch bleibt die Vision klar: Ein durchgängiges, stadttaugliches Orientierungssystem zu schaffen, das eine Navigation ohne digitale Hilfsmittel während der Fahrt ermöglicht.

Für ein solches Orientierungssystem bietet die Arbeit nicht nur ein konkretes Gestaltungskonzept, sondern ergänzt es auch mit hilfreichen Vorschlägen für die Umsetzung: Unter Berücksichtigung der von der Stadt ausgewiesenen Velo-Vorzugsrouten liefern die Studierenden einen Einführungsplan mit fundierten Handlungsempfehlungen, welche zu einer echten «Velo-Wende» in Zürich beitragen könnten.

Porträt von Prof. Dr. Thomas Sauter-Servaes, Studiengangleiter Mobility Science

Thomas Sauter-Servaes

Studiengangleiter Mobility Science

«Pionierstädte wie Paris zeigen: Der Stadtverkehr von morgen benötigt viel Fuss- und Veloverkehr, weil die urbane Aufenthaltsqualität dadurch deutlich gesteigert werden kann. Damit die Zugangshürde für die Velonutzung allerdings effektiv sinkt, braucht es Konzepte wie das von VeloMetro, die dazu einen wichtigen Beitrag leisten.»

Interview


Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Liniennetzplan für das Velo zu entwickeln?

Alison Frick: Professor Sauter-Servaes empfahl uns, im Rahmen einer Projektarbeit zu untersuchen, ob es im Veloverkehr ähnlich intuitive Konzepte gibt wie bei den U-Bahn-Plänen. Dabei wurde uns klar: Für den Freizeitverkehr existiert zwar Schweiz Mobil, aber für den Alltagsverkehr in einer Stadt fehlt so ein Orientierungssystem noch völlig.

Ralph Lütken: Genau. Vor allem in einer grossen Stadt wie Zürich mit vielen Kreuzungspunkten und einer komplexen Netzinfrastruktur würde sich so ein schematisches Konzept sehr anbieten, das Wiedererkennung und visuelle Klarheit bietet. Diese beiden Aspekte waren uns bei der Entwicklung besonders wichtig.

Auf was habt ihr bei der Gestaltung des Liniennetzplans noch geachtet?

Frick: Wir wollten, dass sich auch weniger geübte Velofahrende sofort orientieren können. Deshalb haben wir uns vom Stil her an bestehende ÖV-Netze mit bunten Farben, klaren Linien und zentralen Knotenpunkten angelehnt. Zudem haben wir auch bekannte Sehenswürdigkeiten integriert, um die räumliche Orientierung dadurch zu verbessern.

Und wie sieht die Umsetzung im Strassenraum aus?

Lütken: Dafür haben wir zwei Varianten ausgearbeitet – farbige Bodenmarkierungen und klassische Wegweiser. Beide Varianten wurden anschliessend mit zehn Fachleuten diskutiert, von Verkehrsplaner:innen bis hin zu Veloverbänden. Das Feedback war spannend: Eigentlich fanden alle die Bodenlinien intuitiver. Aber kurzfristig realisierbar ist wohl nur eine Lösung mit Schildern – vor allem in Zürich, wo verkehrstechnische Normen streng beachtet werden.

Und was sagen die Expert:innen sonst noch zum Konzept?

Frick: Die Rückmeldungen waren grundsätzlich sehr positiv – aber ohne einen Ausbau der Veloinfrastruktur wurden Bedenken bezüglich der Sicherheit für Velofahrende geäussert. Für eine Umsetzung unseres Konzeptes im grossen Stil könnten also noch bauliche Massnahmen notwendig sein, um die infrastrukturelle Grundlage auch für ungeübte Velofahrende sicher zu machen.

Was hat euch bei der Arbeit Freude bereitet und was hat euch gefordert?

Lütken: Der kreative Teil war für mich das Highlight – Linien definieren, Knoten festlegen und Designprinzipien umsetzen. Gleichzeitig war es aber auch herausfordernd, das alles mit unserem Berufsalltag als Teilzeitstudierende zu verbinden.

Frick: Besonders spannend fand ich die Zusammenarbeit mit unserem externen Betreuer, einem Signaletik-Experten. Also gemeinsame Besprechungen darüber, welche Farben, Formen und Schriften wir nutzen können. Zudem nehme ich mit: Eine gute Idee braucht viel Ausdauer, um am Ende auch erfolgreich umgesetzt zu werden.

Wie geht es nach dem Studium für euch weiter?

Frick: Ich setze meine Tätigkeit im Bereich Verkehrsplanung fort – und hoffe, dass unsere Idee vielleicht zukünftig noch aufgenommen und umgesetzt wird.

Lütken: Ich gehe wahrscheinlich für zwei Jahre ins Ausland und möchte dort in der ÖV-Planung arbeiten oder alternativ die ERP-Softwarelandschaft in der Fahrzeuginstandhaltung prägen. Mailand wäre dabei sicher eine spannende Stadt, weil sie im Bereich der nachhaltigen Mobilität gerade sehr stark vorwärts macht.

Was wäre euer Wunsch für VeloMetro?

Frick: Dass sich dafür eine passende Stadt findet, die es ausprobiert. Wenn es am Ende nicht Zürich ist, dann vielleicht eine andere, die offen ist für Neues.

Lütken: Und dass der Mut da ist, auch mal von Normen abzuweichen – für eine Stadt, in der die Leute gerne auf das Velo steigen.

 

Bildung Forschung & Transfer School of Engineering Winterthur

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