In der Klimabilanz der ZHAW wiegt kein Bereich so schwer wie die Mobilität. Ein Posten der heraussticht sind hierbei die Flugemissionen. Bei den Dienstreisen der Mitarbeitenden gehen über 90 % der Emissionen aufs Fliegen zurück; Auto, Zug und Velo haben daneben deutlich weniger Gewicht. Seit 2020 erfasst die ZHAW diese Flugemissionen systematisch, bis zurück ins Jahr 2017. Um auch den klimatischen Impact in Höhenlagen zu berücksichtigen, verwendet die ZHAW einen Radiative Factor Index (RFI) von 2.7, der auf den Empfehlungen einer internen Studie basiert. Der Höchststand vor der Corona-Pandemie von rund 2'720 t CO2-äq im Jahr 2019 wurde zum Reflektion-Ausgangspunkt für einen Reduktionspfad.
Aaron Ehrat
Operational Sustainability Manager, ZHAW sustainable, Rektorat
«Jedes Departement setzt das gemeinsame Ziel mit eigenen Massnahmen um: Dieser dezentrale Ansatz funktioniert. Ein Teil des Vorsprungs kommt allerdings schlicht vom Ausgangswert vor der Pandemie. Wer weit oben startet, reduziert anfangs leichter. Der schwierigere Teil des Wegs liegt noch vor uns.»
Verhaltensänderungen durch die Pandemie
Dann unterbrach die Corona-Pandemie den Reiseverkehr. 2020 und 2021 fielen die Emissionen auf einen Bruchteil, weil schlicht kaum noch jemand wegen Home-Office Pflicht und Reiseunsicherheiten reiste. Im Anschluss stellte sich die Frage: Würden die alten Reisemuster zurückkehren, sobald Reisen wieder möglich war? Die ZHAW hat sich damit im Rahmen einer Reihe interner Fokusgruppen mit Vielreisenden sowie gelegentlichen Reisenden befasst, um herauszufinden, was die Reisetätigkeit an der Hochschule motiviert und welche Massnahmen umgesetzt werden könnten.
Auch dank einer internen Vernehmlassung beschloss die ZHAW Ende 2023, bis 2030 eine Reduktion um 50 % im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie (Durchschnitt 2017–2019) umzusetzen. Dies wurde durch ein Budget für Reduktionen von Flugemissionen umgesetzt, das die Emissionen pro Departement, Rektorat und Finanzen & Services auf der Grundlage der historischen Emissionen und der historischen Emissionen pro Vollzeitäquivalent zuteilt. Die Studierenden sind von diesen Massnahmen, die jährlich von der Hochschulleitung überprüft werden, noch nicht betroffen.
Gemeinsam eine spürbare Reduktion erreicht
2024 lag die ZHAW bei 1'732 t CO2-äq, spürbar unter dem Vor-Pandemie-Niveau, aber noch mit Luft nach oben. Im Folgejahr kam es zum Wendepunkt. 2025 sanken die Flugemissionen noch einmal um 21 % auf 1'364 t CO2-äq. Pro Vollzeitäquivalent sind das 0.47 t und somit weniger als die Hälfte der Basisperiode 2017–2019 (1.06 t/VZÄ).
Der Reduktionspfad sieht eine lineare Halbierung bis 2030 vor. Schon 2025 liegt die ZHAW jedoch 45.8 % unter dem Budget, ein Wert, den der Pfad erst für 2029 erreichen wollte. Die Hochschule ist ihrem eigenen Plan mehrere Jahre voraus.
Francesco Bortoluzzi
Leitung Nachhaltigkeitsprogramme, ZHAW sustainable, ZHAW Rektorat
«Die Reduktion der Flugemissionen ist spürbar und wird von allen ZHAW-Departementen getragen. Aber die meisten realistischen Hebel sind jetzt gezogen: geschickter zu reisen, tiefere Klasse. Was weiterhin wichtig bleibt, ist die interkontinentale Vernetzung – die gehört zu einer international ausgerichteten Hochschule dazu. Wie weit wir hier noch gehen können, ist offen.»
Weniger Reisen, andere Klasse
Zwei Entwicklungen erklären die Reduktion. Zum einen reisen die ZHAW-Mitarbeitenden schlicht weniger: rund 1'200 Reisen pro Jahr gegenüber gut 1'500 in der Basisperiode. Zum anderen hat sich die Wahl der Reiseklasse mit deutlichem Effekt verschoben. Der Anteil der Business Class an den Emissionen fiel von 14 auf 3.9 %, jener der Economy stieg von 81 auf 92.5 %. Das lässt sich mit einer einfachen Tatsache erklären: Ein Business-Sitz verursacht bis zu dreimal so viele Emissionen wie ein Platz in der Economy, weil er mehr Fläche und Gewicht im Flugzeug beansprucht.
Was gleichgeblieben ist
Ein Muster hat sich über die Jahre nicht verändert: Der grösste Teil der Emissionen entsteht auf den Langstrecken nach Übersee. Diese Flüge machen nur 26.6 % der Reisen aus, verursachen aber 63.2 % der Emissionen, ungefähr wie in der Basisperiode. Am häufigsten fliegen ZHAW-Mitarbeitende innerhalb Europas, nach Amsterdam, Frankfurt oder Madrid. Die meisten Emissionen aber stammen von interkontinentalen Zielen wie San Francisco, Los Angeles oder Singapur. Wie weit die Reduktion langfristig noch gehen kann, ohne den internationalen Charakter der Hochschule einzuschränken, bleibt offen.
Die ZHAW plant derzeit weder Kompensations- noch Negativemissionsmassnahmen, um Netto-Null zu erreichen, obwohl entsprechende Optionen geprüft und diskutiert wurden.