14'700 Studierende und 3'600 Mitarbeitende pendeln regelmässig zur ZHAW: zu Fuss, mit dem Velo, im Zug oder im Auto. Die ZHAW hat sich bewusst dafür entschieden, seine Infrastruktur so nah wie möglich an den öffentlichen Nahverkehr anzusiedeln und erhebt Pendlerverhalten seit 2022 systematisch und macht damit sichtbar, was sonst im Dunkeln bleibt.
Das Auto dominiert die Emissionsbilanz
Bei den Mitarbeitenden ist die Antwort auf den ersten Blick eindeutig: Wer zur ZHAW pendelt, tut das mehrheitlich mit dem öffentlichen Verkehr. Der Anteil an Autopendelnden liegt mit weniger als 10% deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. In der Emissionsbilanz zeigt sich ein anderes Bild.
Von den insgesamt rund 846 Tonnen CO₂-äq, die 2024 durch die Pendelmobilität der Mitarbeitenden entstanden, gehen 586 Tonnen (69 %) aufs Konto des Autos. Der öffentliche Verkehr verursacht trotz deutlich höherem Anteil an den Wegen nur 224 Tonnen (27 %), Velo und übrige Verkehrsmittel fallen mit zusammen 36 Tonnen kaum ins Gewicht. Das hängt damit zusammen, dass die CO₂-äq-Emissionen pro Personen-km eines Autos deutlich höher sind als die der meisten ÖV-Lösungen, Velos oder e-Velos.
Andrea Del Duce
Dozent und Senior Researcher für Nachhaltige Mobilität
«Wer an der ZHAW pendelt, tut das überwiegend mit dem öffentlichen Verkehr, weil die Standorte gut erschlossen sind. Der verbleibende Autoanteil ist trotzdem der wichtigste Hebel für eine weite-re Reduktion der CO₂-Emissonen der ZHAW. Es braucht ein besseres Verständnis für die Mobilitätsherausforderungen der Autopendelnde sowie ko-kreative Ansätze, um die richtigen Bedingungen für eine weitere Reduktion der Autonutzung an der ZHAW zu schaffen»
Pendelemissionenn von Mitarbeitenden 2024
69% davon stammten aus dem Autoverkehr
Pendelemissionenn von Studierenden 2024
53 % davon stammten aus dem Autoverkehr
Ähnliches Muster bei den Studierenden
Bei den Studierenden fällt der Unterschied kleiner aus, das Grundmuster bleibt aber gleich.
1'841 Tonnen CO₂-äq (53 %) der studentischen Pendelemissionen stammen vom Auto, 1'310 Tonnen (43 %) vom öffentlichen Verkehr. Auch hier liegt der Anteil des Autos an den Emissionen höher, als sein Anteil an den zurückgelegten Wegen vermuten liesse.
Eine Hochrechnung ist keine Vollerhebung
Im Vergleich zu 2022 konnte in 2024 eine Reduktion der CO2-Emissionen beobachtet werden. Ob sich ein rückläufiger Trend bestätigt, wird die kommende Erhebung in 2026 zeigen. Hierzu ist auch zu beachten, wie diese Zahlen entstehen: Die Mobilitätserhebung basiert auf einer Umfrage, die auf die gesamte Hochschulcommunity hochgerechnet wird – nicht auf einer Vollerhebung aller Wege. Das bedeutet eine gewisse Unschärfe, die bei der Einordnung der Trends mitgedacht werden muss.
Nachhaltiges Pendeln ist möglich,
wenn die Bedingungen stimmen
ZHAW-Forscher Andrea Del Duce befasst sich seit Jahren mit nachhaltiger Mobilität und koordiniert die ZHAW-Mobilitätserhebung, die in einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Nachhaltige Entwicklung und dem Institut für Data Science durchgeführt wird. Seine Forschung zu Aktivmobilität, Sharing-Angeboten und ÖV-Nutzung zeigt: Nachhaltige Mobilität ist möglich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, zum Beispiel wie gut ausgebaute Velorouten, oder verfügbare, gut erreichbare und gut taktierte ÖV-Verbindungen.
Für einen Teil der Autopendelnden dürfte der Umstieg auf Velo oder ÖV vorerst schwierig bleiben, etwa weil der Weg dafür zu weit ist, eine geeignete Verbindung fehlt oder die Taktung nicht zum Alltag passt. Genau darin liegt die eigentliche Aufgabe: Je gezielter Velorouten, ÖV-Erschliessung und Sharing-Angebote dort ausgebaut werden, wo das Auto heute noch die einzige praktikable Option ist, desto mehr Wege werden auch für diese Gruppe verschiebbar.
Mit der systematischen Erhebung seit 2022 hat die ZHAW die Grundlage geschaffen, um diesen Wandel gezielt zu begleiten. Die Pendeldaten zeigen nicht nur, wo heute die Emissionen entstehen, sondern auch, wo sich mit den richtigen Rahmenbedingungen am meisten bewegen lässt: ein klarer Ansatzpunkt für die kommenden Jahre.